Was Anrechnung von Vorkenntnissen bedeutet
Bei der Anrechnung von Vorkenntnissen vergibt eine Universität Leistungspunkte für das, was Sie vor Ihrer Einschreibung gelernt haben: im Beruf, in Weiterbildungen, beim Militär oder in einem früheren Studium. Angerechnet wird, was Sie im Beruf gelernt haben – belegt durch Ihre Nachweise und gemessen an den Lernergebnissen bestimmter Module oder Kurse.
Rechnet die Universität Ihnen Leistungen an, sind Sie von diesen Modulen befreit. Sie schließen früher ab, zahlen oft weniger Studiengebühren und erhalten genau denselben Abschluss wie alle anderen im Studiengang.
Die Begriffe unterscheiden sich je nach Land
| Land | Gängige Bezeichnungen | Wer die Regeln festlegt |
|---|---|---|
| Großbritannien | Recognition of Prior Learning (RPL), Accreditation of Prior Learning (APL), unterteilt in APCL für zertifiziertes Lernen und APEL für erfahrungsbasiertes Lernen | Jede Universität, im Rahmen der nationalen Qualitätsvorgaben |
| USA | Prior Learning Assessment (PLA), Credit for Prior Learning (CPL) | Jedes College, im Rahmen der Standards seiner Akkreditierungsstelle |
| Australien | Recognition of Prior Learning (RPL) und Credit Transfer (Übertragung von Leistungspunkten) | Jede Universität, orientiert am Australian Qualifications Framework |
Die wichtigsten Wege zur Anrechnung
1. Zertifiziertes Lernen
Kurse, für die Sie bereits ein Zertifikat erhalten haben, etwa Berufsqualifikationen, anerkannte Branchenzertifizierungen oder Module aus einem nicht abgeschlossenen Studium. Das ist meist der einfachste Weg, denn das Gelernte wurde schon einmal geprüft.
2. Erfahrungsbasiertes Lernen, bewertet per Portfolio
Für alles, was Sie ohne Zertifikat gelernt haben. Sie verfassen reflektierende Texte, die Ihre Erfahrung mit den Lernergebnissen eines Moduls verknüpfen, und belegen jede Aussage mit Nachweisen. Eine prüfende Lehrkraft der Universität begutachtet das Portfolio und bittet unter Umständen um ein Gespräch oder eine praktische Demonstration.
3. Prüfungen und anerkannte Weiterbildungen (vor allem in den USA)
In den USA rechnen viele Colleges Prüfungen wie CLEP und DSST an, und der American Council on Education (ACE) veröffentlicht Anrechnungsempfehlungen für zahlreiche betriebliche und militärische Lehrgänge. Ob ein College sie akzeptiert, entscheidet das College selbst.
Diese Nachweise wollen die Prüfenden sehen
- Nachweise zu Ihrer Position: Stellenbeschreibungen, Arbeitsverträge, Organigramme, Beurteilungen
- Arbeitsergebnisse: Berichte, Pläne, Budgets, Code, Schulungsunterlagen, Prozessdokumentationen
- Bestätigungen Dritter: Referenzschreiben von Führungskräften oder Kunden auf Firmenbriefpapier
- Zertifikate: Berufsqualifikationen, Lizenzen, Nachweise über interne Schulungen mit Stundenumfang
- Früheres Studium: offizielle Notenauszüge (Transcripts) und Modulbeschreibungen
Der häufigste Fehler ist, einen langen Lebenslauf einzureichen und auf Anrechnung zu hoffen. Die Prüfenden müssen sehen, zu welchem Lernergebnis jede Aussage gehört – mit dem passenden Nachweis direkt daneben. Diese Zuordnung macht den Großteil der Arbeit an einem starken Portfolio aus.
So funktioniert die Anrechnung in der Praxis
- Jede Universität legt eine Obergrenze fest für den Anteil eines Abschlusses, der aus Vorkenntnissen stammen darf, und viele verlangen, dass Sie einen Mindestanteil des Studiengangs bei ihr absolvieren. In den USA heißt das oft Residency Requirement.
- Angerechnet wird Modul für Modul. Sie werden von jedem Kurs befreit, zu dem Ihre Nachweise passen – je mehr Sie belegen können, desto mehr sparen Sie.
- Die Universitäten unterscheiden sich stark. Hochschulen, die auf erwachsene Studierende und das Online-Studium ausgerichtet sind, haben meist die ausgereiftesten Verfahren. Forschungsstarke Universitäten rechnen im grundständigen Studium eher formale Studienleistungen an als Berufserfahrung.
- Für die Prüfung kann eine Gebühr anfallen, die die Universität getrennt von den Studiengebühren erhebt.
Master und Promotion
Im weiterführenden Studium zählt Erfahrung häufiger für die Zulassung als für die Anrechnung. Viele Masterstudiengänge, besonders MBAs, berücksichtigen auch Bewerberinnen und Bewerber ohne ersten Abschluss, wenn sie umfangreiche Berufserfahrung mitbringen.
Bei der Promotion richten sich Professional Doctorates wie DBA oder EdD an erfahrene Praktikerinnen und Praktiker, und einige britische Universitäten bieten einen PhD by Published Work (Promotion auf Grundlage veröffentlichter Arbeiten) für alle, die bereits eine beachtliche Zahl veröffentlichter Forschungsarbeiten vorweisen können. Für jede dieser Optionen gelten strenge Zugangsregeln, die wir gemeinsam mit Ihnen im Einzelfall prüfen.
So starten Sie
- Wählen Sie eine Fachrichtung, die sich mit Ihrer täglichen Arbeit überschneidet. Je größer die Überschneidung, desto leichter die Anrechnung.
- Stellen Sie eine Auswahlliste akkreditierter Studiengänge zusammen und lesen Sie deren Anrechnungsregeln, bevor Sie sich bewerben.
- Sammeln Sie Nachweise frühzeitig. Bis Notenauszüge und Referenzschreiben vorliegen, können Wochen vergehen.
- Ordnen Sie Ihre Nachweise den Lernergebnissen zu, Modul für Modul.
- Bewerben Sie sich und beantworten Sie Rückfragen der Prüfenden schnell und vollständig.
Sie wissen noch nicht genau, wo Sie stehen? Machen Sie den kostenlosen Anrechnungs-Check oder fordern Sie Ihre kostenlose Ersteinschätzung an – wir sagen Ihnen, welche Studiengänge zu Ihrer Erfahrung passen.
Offizielle Quellen
- Quality Assurance Agency for Higher Education (Großbritannien)
- Australian Qualifications Framework
- American Council on Education
- CLEP, College Board